Goldstickerei

Pseudo-Trachtenhauberl

Oder auch: Die drei Leben einer Kopfbedeckung.

Diese Haube begann ihr Dasein als schnell zusammengezimmerter Hut für ein Kostüm. Der hintere Kopfteil aus Samt gehörte bereits zur ersten Kostruktion, der vordere (Scheitel-)Teil entspricht dem letzten Stand.
Ursprünklich hatte ich vorne dran einen sog. Schirm aus Hutdraht und Seidenchiffon montiert, der wie eine Mischung aus elizabethan attifet und diversen Trachtenhauben mit breitem Schirm aussah, d.h. er war mit einem langen Spitz über den Scheitel bis zur Stirn gezogen, ging dann wieder nach hinten, um sich dann mit zwei breiten Rundungen über die Ohren zu wölben. Der samtene Teil war ziemlich weich und lediglich mit Goldborten verziert. Irgendwie langweilig.
In Ausbaustufe zwo kamen dann Perlen an den vorderen Rand des Schirms und der Samtteil wurde bestickt. Ich hab ihm auch ein steifes Innenleben aus Draht und Futter verpaßt und hinten hingen lange Bänder bis fast zum Boden. Ich konnte an dem Ding herumbiegen, wie ich wollte, es stand mir einfach nicht! Nun gut, zwei Mal aufgehabt, und dann ab ins Lager für ein paar Jahre.
Irgendwie wars mir dann aber leid um die Stickerei und ich hab mir die Haube kurz vor Weihnachten wieder vorgeknöpft. Nu abba solls was g’scheites werden! Kurzum Haube komplett demontieren, neues steifes Innenleben für den Boden, neues Futter und überhaupt ein neuer Scheitelteil. Die kleinen schwarzen Bodenhauben, welche man in der Steiermark und in Kärnten (sog “Karner Haube”) findet, haben mir schon immer unglaublich gut gefallen, und so hielten sie als Vorbild für die Neukonstruktion dieser Haube her.

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Nachdem die Haube auch in Ausbaustufe zwei Teil eines Kostüms war, ist die Stickerei auch (immer noch) entsprechend ausgelegt. Man erkennt es auf den Photos vielleicht nicht so gut, aber es ist eine Art Wappen, welches sich über die gesamte Fläche zieht: Eine runde Sonne mit silber-güldenen Strahlen und ein silberner Halbmond (vergleiche hier: Wappen *gg* so a bissi alchemistisch das Ganze *gg*)

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P.S.: Den Schirm hab ich noch, vielleicht wird ja auch da draus mal was Vernünftges...

Kleine Goldhaube

(1996) Es stecken etwa 150 bis 200 Arbeitsstunden darin. genau weiß ich es nicht mehr, da ich leider nicht Buch darüber führte. Die meiste Arbeit verursachten die einzelnen kleinen Buckel am Rand zum Haubenboden.

Boden Oberseite

Das gesamte verwendete Material ist zum Teil nicht gebrauchsfertig, d.h. zum Beispiel die kleinen “Folien” in Blüten- oder Blattform müssen noch selbst gelocht werden, der Buillon (Gepinstdraht) muß auf die benötigte Länge zugeschnitten werden. Alles in allem Tausende kleine Teilchen, die wie ein Puzzle mit Nadel und Faden zusammengenäht werden. Unten rechts ein paar Materialproben, ich zeige hier z.T den nicht verwendbaren “Abfall” (Schlitz in den Pailletten zu weit, würden runterfallen; Folien falsch gelocht - mea culpa; Folien falsch gestanzt;), aber auch Beispiele für Bouillon und diverse Goldkordeln.

Detail Boden Detail Seite Material "Abfall"

Große (Linzer) Goldhaube

(1994-96) Der Knauf der Goldhaube wird auf festem Filz gestickt, der Haubenteil ist zunächst ein etwa 125cm langes Band, welches auf einen Rahmen gespannt bestickt wird. Die Form der Haube hält durch ein Hutdrahtgerüst im Inneren. Die schwarze Schleife besteht aus antiker Spitze und wird ebenfalls durch ein Drahtgerüst in Form gehalten. Ich bin mit der Form und der Machart des Knaufes etwas vom Üblichen abgewichen, um eine neue Knaufform zu auszuprobieren. Aufgesetzt wir die Haube so, daß sie relativ weit hinten am Kopf sitzt, die Schleife steht dann waagrecht weg.

Seite von Vorne
Detail Kopf Detail "Flügel" Detail Knauf

Brosche

Hier wurde nicht auf Goldstoff sondern auf einer dicken Filzunterlage gestickt. Das ermöglicht plastische Formen, die Unterlage muß jedoch vollständig überstickt werden.

Brosche Detail

Schultertuch

Ein beliebtes Accessoire zur Goldhaubentracht und mehr oder weniger dicht bestickt - je nach Laune.

Schultertuch Muster Detail
 
galerie/goldstickerei/start.txt · Last modified: 2008-04-30 09:39 by alwa
 
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