Diese Anleitung darf nicht zur kommerziellen Verwertung mißbraucht werden!
(Beginn September 2005)
Viele Reenactor geben sich unglaubliche Mühe, ihre Gewandung so detailgetreu wie möglich herzustellen. Es gibt auch die Möglichkeit, sich zwar für nicht wenig Geld, aber doch erschwinglich, passende authentische Schuhe zu besorgen. Aber grade die Accessoires können eine fast unüberwindliche Hürde darstellen. Fächer etwa. In Spanien (um bei den europäischen Fächern zu bleiben) werden sie noch immer in sehr guter Qualität hergestellt, sind jedoch von Form und Proportion speziell fürs Rokoko völlig ungeeignet. Ich persönlich finde auch alle Arten von asiatischen Papier- und Brisee-Fächern eher eine schlechte Notlösung. Ja, es gibt eine kleine Manufaktur (The Fanmaker), welche nicht nur alte Fächer restauriert, sondern auch neue, authentische Fächer herstellt, aber die Preise dafür möchte ich nichtmal erfragen. Was tun? Fächer waren doch ein geradezu unverzichtbares Beiwerk.....
Dies ist also der Versuch, einen - quasi handelsüblichen - spanischen Fächer (solche Fächer nennt man in Spanien “Pericon” und man bekommt sie im einschlägigen Versandhandel für Flamencobedarf) so umzubauen, daß er in Form und Gestaltung einem Fächer des 18.Jahrhunderts entspricht. Ich empfehle an dieser Stelle, einen Blick auf folgende Website zu werfen: Fächersammlung
Wer diesen Bericht als Bastelanleitung verwenden möchte, bitte gerne! Ich gebe allerdings folgendes zu Beachten:
Der Fächer soll von der Form her etwa den 1740ern entsprechen. Der verwendete Pericon (17 Stäbe + 2 Deckstäbe) hat eine Stablänge von 31,5cm und öffnet sich zu einem Halbkreis, die Stäbe laufen um das Auge herum spitz zu. Das Flächenverhältnis von sichtbaren Stäben zu Blatt ist in Ordnung. Auch die geschlossene Fäche der sichtbaren Stäbe entspricht den historischen Originalen.
Um den Fächer am oberen Ende zu kürzen, umwickelt man ihn um die Mitte fest mit Schnur, damit er sich nicht öffnet und die Stäbe nicht verrrutschen. Dann sägt man mit einer Metallsäge mit feingezahntem Sägeblatt am oberen Ende etwa 2cm ab. In diesem Fall nicht mehr, sonst wird das Blatt im Verhältnis zu den sichtbaren Stäben zu schmal. keine Sorge, der Stoff franst dabei kaum aus. Auch am unteren Ende die Spitze absägen. (Stäbe sind nun auf etwa 29cm gekürzt, Vergleichsphoto 1)
Dann unten mit Sandpapier rundschleifen (Vergleichsphoto 3) Auch die obere Schnittkante und die Seiten auf eine gleichmäßige Form schleifen, bis nichts mehr übersteht - siehe Vergleichsphoto 2. dazu kann die Schnur wieder entfernt werden. Den eventuell fransig gewordenen Stoff leicht nachschneiden, dann kommt der heikle Teil - es werden ein paar Stäbe entfernt, um die Öffnung des Fächers auf einen guten 1/3-Kreis zu reduzieren.
Mit einen Seitenschneider eines der Augen abknipsen - nun läßt sich der Dorn leicht herausziehen. Stoff von einem der Deckstäbe vorsichtig abziehen. es sollen 2 Stäbe entfernt werden, daher den Soff auch von den zwei Stäben neben dem einem schon entfernten Deckstab abziehen. Nun muß der Überstehende Stoff abgeschnitten werden, dann wieder an den Deckstab kleben (optimal: Hautleim oder Weißleim), aber nicht bis ganz oben! Siehe Zeichnung.
Vergleichsphotos 1 bis 3:
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Dann wird das Kantenband (normales BW-Schrägband) angebracht. [Leider nicht historisch korrekt, aber notwendig. Früher waren die Fächerblätter aus Papier oder Pergament, keines davon kann richtig ausfransen, Stoff aber leider schon.] Dazu wird zunächst der Stoff etwa 2-3cm weit von allen Stäben (auch den Deckstäben) abgezogen, dann werden die Stäbe (NICHT die Deckstäbe) um die Breite des Kantenbandes eingekürzt. Das Holz ist relativ weich, man kann es vorsichtig mir einer guten Schere schneiden. Dann das Kantenband einfach mit UHU oder Weißleim über die Stoffkante kleben. Achtung: wenig Kleber verwenden, damit nichts durch den Stoff durchgeht. Die Enden des Kantenbandes werden so umgeschlagen, daß sie zwischen Stoff und Deckstab zu liegen kommen. Zum Schluß den Stoff wieder an die Stäbe kleben.
Wenn alles getrocknet ist, Fächer zusammenfalten, den Dorn provisorisch wieder einsetzen, wieder fest mit Schnur umwickeln und ein paar Tage liegen lassen. So prägen sich die Falten gut in das neue Kantenband ein. Nach ein paar Tagen falls nötig nochmals schleifen.
Vorher - Nachher:
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Nun entpricht der Fächer in Größe und Form einem Fächer der 1740er.
Die Stäbe sollen wie Elfenbein aussehen.
Blanke unverzierte Elfenbeinstäbe sind durchaus möglich und relativ einfach zu simulieren. Man braucht dazu nur glänzenden elfenbeinfarbenen Kunstharzlack. Dick aufgetagen wirkt die Oberfläche dann wie poliertes Bein.
Vor dem Lackieren sollten alle Holzflächen gut mit feinem Sandpapier (400 mesh) geschliffen worden sein. Dann zuerst die Rückseite und den hinteren Deckstab lackieren, nach dem Trocken wieder schleifen und nochmals lackieren. Jetzt auf der Vorderseite eventuelle Lack-Tränen entfernen (schleifen) und lackieren.
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Fazit: Das Ergebnis ist mehr als brauchbar, die Lackiererei war aber einigermaßen mühsam, außerdem hält der Lack auf der schon einmal behandelten Holzfläche nicht ganz so bombenfest, wie ich gehofft hatte. Ich werde mir das nächste mal die Stäbe also selber zuschneiden - hatte ich ohnehin vor, das wird das nächste Projekt dieser Art.
Der nächste Schritt wäre gewesen, das Fächerblatt im bereits auf das Gestell gespannten Zustand zu bemalen. Das geht normalerweise auch ganz gut, ich habs schon des öfteren so gemacht. Nun, hier kommt das ABER.
Fächer wurden im 18.Jahrhundert fast ausschließlich mit figürlichen Darstellungen versehen. Der Plan war daher, eine passende Darstellung zu finden und einfach auf den Fächer zu drucken (Bilder aller Art kann man ja recht brauchbar mit einer sog. Transferfolie auf Stoff übertragen). Nur ist halt das schon aufgespannte Stoffstück alles andere als eben und das macht ein vernünftiges Aufbügeln des Motivs unmöglich. Nachdem ich mich also eine ganzen Tag lang mit der Problematik herumgeärgert habe - das verpfuscht Originalblatt zeige ich hier lieber mal nicht
- beschloß ich, das Blatt zu demontieren und ein völlig neues anzufertigen. Diesmal gleich aus einem elfenbeinfarbenen Stoff. (Ja, wieder Stoff und nicht Pergament, denn dann erkennt man aufgrund der Struktur des Stoffes nicht so eindeutig, daß das zentrale Motiv nur aufgedruckt ist.) Nach dem demonteriten Originalblatt habe ich einen Papierschnitt angefertigt, diesen probegefaltet und auf das Gestell gelegt, um auszuprobieren, ob er auch paßt. Hier also das Grundkonzept und die Hintergrundfarben:
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Details ergeben sich dann beim Malen. Übrigends: Einfärbige figürliche Darstellungen auf Fächern des 18.Jahrhunderts (Tuschezeichnung, Gouachealerei in Grautönen, etc.) gab es zwar eher selten, aber man findet sie. Und dann oft in Kombination mit einem eher schlichten Gestell aus Elfenbein oder Schildpatt. Zweiflern empfehle ich, einen Blick in das Buch von Günter und Marie-Luise Barisch zu werfen: Fächer.
Hier ein kleiner Zwischenstand. Das Blatt ist noch nicht ganz fertig, die beiden kleinen Vignetten z.B. fehlen noch. Bisher verwendetes Material: Stoff, Stoffarben, Gouache in silber und gold, Transferfolie. Leider sind mir durch die Wahl von Untergrund und Farben gewissen Grenzen gesetzt, was die Feinheit der Striche angeht. Gerade die Stoffarben sind ziemlich pastös und lassen sich eher schlecht ohne großen Deckkraftverlust mit Wasser verdünnen.
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Auf dem zweiten Bild sieht man das fertige Blatt, bereits zugeschnitten und an den Kanten versäubert (am oberen Rand habe ich wieder ein Schrägband mit Weißleim angeklebt). Zu beachten ist, daß an beiden Enden zwei unterschiedlich breite Klebezugaben vorhanden sein sollen. An der linken Kante fällt diese sehr schmal aus, wird an der Kante, an der die Malerei endet, geknickt und unter das Blatt gebogen. An der rechten Kante ist sie so breit wie der Deckstab plus etwa 5-7mm. Diese 5-7mm werden wie an der anderen Kante ebenfalls geknickt, aber dann nach oben gebogen. So verschwinden dann beide Stoffkanten in der Klebestelle der Deckstäbe und es kann nichts ausfransen. Lediglich die Kante hin zur Mitte bleibt unversäubert - sie wird aber erahrungsgemäß auch nicht so beansprucht. Damit da aber trotzden nichts so leicht ausfransen kann, hab ich die Kante vorne und hinten noch einmal extra dick und auf etwa 3mm Breite mit der braunen Farbe der Einfassung bestrichen. Da der Fächer ja nicht gewaschen wird, muß man die Stoffarben nicht unbedingt bügelfixieren, ich empfehle es aber, da manche Farben zur Klebrigkeit neigen, wenn sie nicht heiß gebügelt wurden. Also bitte von links bügeln und unter Fläche mit der Transferfolie unbedingt ein Stück unbedrucktes Backpapier legen (!!!), denn die Folie schmilzt u.U. wieder (je nach Hersteller) und klebt dann am Büglbrett fest.
So, nun heißts den Stoff in Falten zu legen. Bei einem neu angefertigten Blatt geht man also folgendermaßen vor: Zuerst werden die knicke an der Vorderseite des Stoffes angebracht. Das im vorigen Schritt engefertigte Papiermodell (der Schnitt) war hier sehr hilfreich, um zu sehen, ich welche Richtung ich den ersten (mittleren) Knick falten muß. Hier hieß das knicken mit Bildseite nach außen, dann die beiden Hälften wieder mit der Bildseite nach außen in die Hälfte falten, wieder halbieren, usw. bis alle Knicke an der Vorderseite vorhanden sind. Dann für die anderen Knicke einfach die Kanten der Vorderseitenknicke aufeinanderlegen und falten. Verwirrend? Hier ein paar Skizzen dazu:
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Falls die Falten durch einfaches Knicken und mit den Finger oder Daumennagel nachstreichen nicht bleiben wollen und wieder aufspringen, so kann man sie entweder mit einem Hammer festklopfen (fester Untergrund, bitte ein Stück Papier oder Karton dazwischenlegen, s. Bild) oder festbügeln (Transferfolie bitte wieder mit Backpapier abdecken, speziell dann auch, wenn zwei Folienflächen nach innen gebogen zusammenkommen).
Zuerst das Blatt an die Deckstäbe kleben, dann folgen die restlichen Stäbe. Als Kleber werwendet man am besten wieder Weißleim oder einen Hautleim. Nach dem Kleben gut trocknen lassen, dann zusammenfalten und den Fächer im Kopfbereich mit Backpapier (hinterläßt keine Abdrücke) fest umwickeln. Die Falten werden so zusätzlich noch eingeprägt, der Fächer sollte mindestens ein paar Tage solcherart zusammengefatscht liegengelassen werden. Ein paar Skizzen dazu finden sich auf der Zeichnung im vorigen Abschnitt.
Was fehlt noch? Ein neuer DORN!
Es sind verschiedene Materialien für einen Dorn möglich, z.B. Messing (relativ zäh und hart), Kupfer, Silber, etc. Ich habe mich hier für einen eher weichen Kupferdraht von 2,5mm Durchmesser entschieden (stammte aus einem 5-poligen Starkstromkabel
). Dieser paßte vom Durchmesser genau, ein weiteres Aufbohren der Stäbe war also nicht notwendig.
Zum Vernieten des Dorns schneidet man den Draht an einer Seite gerade ab (oder mit einem Seitenschneider abknipsen und dann gerade feilen), spannt ihn in einen Schraubstock ein (es soll nur ein kleiner Teil des Drahtes überstehen) und formt den ersten Kopf, indem man mit einem kleinen Hammer vorsichtig spiralförmig von innen nach außen schlägt.
Zusätzlich gibts auch noch zwei neue Augen, hier aus Perlmutt (kleine Scheibchen aus Messing, Silber, etc. gehen auch). Dafür hab ich mich in meinem Perlmuttknopfsammelsurium bedient und bei zwei kleinen Knöpfchen statt der 2-4 kleinen Löcher jeweils ein großes gebohrt.
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Nun steckt man das ganze zusammen, das schönere Auge und der erste Kopf kommen dabei auf dem oberen (vorderen) Deckstab zu liegen. Damit beim weiteren Vernieten nichts verrutscht, sollte man den Fächer am Hals mit Schnur umwickeln (eventuell Backpapier zwischen Schnur und Stäbe geben, damit sich die Schnur nicht in den Lack drückt). Nun den Dorn ablängen, am einfachsten mit dem Seitenschneider, dann die Schnittfläche gerade feilen. Dann mit dem ersten Auge nach unten auf einen festen Untergrund, z.B. den Schraubstock, stützen und ganz vorsichtig den zweiten Kopf formen. Fertig! Eventuell kann man die beiden kleinen Metallflächen noch ein wenig polieren.
Ich bin mit dem Ergebnis durchaus zufrieden, obwohl das ganze Projekt in wesentlich mehr Arbeit ausartete, als ich zuerst annahm. Die Herstellung eines völlig neuen Fächerblattes erwies sich als relativ unproblematisch, ich bin also zuversichtlich, bald einmal, so ich denn Zeit haben sollte, einen Faltfächer zur Gänze selbst herstellen zu können.
Hier ein finaler Größenvergleich, oben ein Fächer der 1880-1900 entspricht, in der Mitte der neue Rokokofächer und darunter ein moderner spanischer Fächer:
Die Photos des fertigen Fächers finden sich in der Galerie: Fächer